Ruhr/Ahr 01.02.2002

Peter Reitmeyer

Paddeltouren auf der Ruhr und Ahr bei Hochwasser im Jan./Febr. 2002

Kalendarisch befinden wir uns mitten im Winter 2002. Meteorologisch herrschen Frühlingstemperaturen Anfang Februar. Die vergangene Woche hatte mit ergiebigen Regenfällen und einsetzendem Tauwetter die Pegel der Flüsse ansteigen lassen.

Am vergangenen Wochenende hatte die Ruhr die 6m Hochwassermarke des Pegels Hattingen nur knapp verfehlt. Nur 1 - 2 mal im Jahr haben wir das Vergnügen auf unserer Bootshauswiese eine Paddeltour zu beginnen. Der überschwemmte Leinpfad gehört für kurze Zeit den Paddlern.

Eine Gruppe Wanderfahrer unter der Leitung von Gini, unserer Wanderwartin, paddelt den mächtig breiten Fluß mit guter Strömung nach Dahlhausen. Am Wehr Hattingen ist keine Stufe mehr zu sehen. Auch die Spundwände der im Bau befindlichen Fischtreppe und der Bootsrutsche sind nicht mehr zu sehen. Die kräftige Strömung treibt uns unter der neuen Ruhrbrücke hindurch und an den Pfeilern der alten Brücke vorbei, über die der Verkehr noch geführt wird, bis die neue Brücke an die Straße angeschlossen wird.

Hinter den Brücken erfordern große Pilze und Strudel unsere ganze Aufmerksamkeit. Hartmut erlebt, wie sein neues Spielboot die Wellen unterschneidet. Er meistert den Flußabschnitt großartig.

Vorbei geht es an der Isenburg und ehe wir uns versehen, sind wir nach knapp einer Stunde ohne Anstrengung in Dahlhausen. Das Wehr links bildet einen riesigen Schwall, den wir meiden. Rechts sind das Wehr und die Bootsrutsche überspült. Hier hat sich eine langgezogene Walze gebildet, die nicht gerade zum Spielen einlädt. Die Wiese der Kanuclubs Linden-Dahlhausen ist überflutet, so dass wir bis an den Parkplatz paddeln können. Tine und Philipp toben ausgelassen im seichten Wasser, bis sie nass bis auf die Haut sind.

Eine Woche später am Freitag den 01.02.2002.

Eine Woche später am Freitag den 01.02.2002. Der Pegel sank kontinuierlich. Die Ruhr führte noch mittleres Hochwasser. Stephan erklärte, er wolle in der Eifel seinen Vater besuchen. Ob wir nicht Lust hätten, mit zur Ahr zu fahren. Ein lang gehegter Wunsch unserer Wanderwartin Gini keimte erneut auf. Nach 20 Jahren wieder einmal auf der Ahr paddeln. Hat diese auch genug Wasser? Der Computer ist schnell eingeschaltet, die Internetseite des Kanuverbandes NRW angewählt, der Pegeldienst aufgerufen. Der Pegel der Ahr wird mit 80 cm abgegeben - wunderbar! Die Telefonkette wird aktiviert. Binnen 30 Minuten haben acht erfahrene und geübte Wander- und Wildwasserfahrer ihre Zusage gegeben, die Ahr gemeinsam zu befahren.

02.02.2002 um 8.30 Uhr ist Treffen am Bootshaus. Nach zwei Stunden Fahrt ist das Ahrtal erreicht.

Bei strahlendem Sonnenschein um 17°C ( in der Sonne ) starten wir in Kreuzberg unterhalb der Kreuzburg. Herrliche 24 km Flußkilometer bis zur Berufsschule in Bad Neuenahr liegen vor uns. Mit flotter Strömung geht es unter hochgespannten Bruchsteinbrücken hindurch in das wunderschöne Ahrtal. Der Fluss schwingt sich durch ein schmales sonnendurchflutetes Tal. Steile Felsen und Weinhänge wechseln sich ab. Das 1. Schrägwehr ( Flusskilometer 30,4 ) hat in der Mitte zwar eine glatterscheinende Betonrutsche, unten jedoch einen kräftigen Rücklauf. Rechts ist unten eine Betonschwelle, hinter der sich weiß schäumende ca. 1 m hohe Wellen aufbauen. Rechts der rechten Ufermauer hat der Fluss einen Abfluss aus das Ufer gespült, der ein kräftiges kurzes "S" bildet. Stephan und Peter sichern diese Durchfahrt. Ohne Probleme meistern Tine, Lisa, Tobi und Philipp die Durchfahrt, die übrigen wackeln ein bisschen und kommen dem ausgespülten, steilen und steinigen Ufer sehr nah.

Beim nächsten kräftigen Schwall bleiben Stephan und Peter zurück, um in den Wellen zu surfen. Immer häufiger finden die Teilnehmer Schwalle und Wellen zum Spielen.

Hartmut fährt mit seinem neuen "Wuchtwasser-Spielboot" in ein Kehrwasser und taucht prustend außerhalb des Bootes auf. Tobi vergisst vor Lachen sein eigenes Boot, kann die Schieflage desselben durch gekonntes Stützen jedoch gut auffangen. Die erste Kenterung der Saison geht damit an den überraschten Hartmut!

Zur Pause lädt eine Obstbaumwiese ein. Der Besitzer hatte einige Campingstühle dem Hochwasser überlassen. Wir befreien sie vom Treibgut und Schlamm und lassen uns der Sonne zugewandt auf ihnen nieder, um uns zu stärken.

Die Wanderwartin ermahnt uns, dass wir für die ersten 10 km statt der geplanten Stunde, gut 2 Stunden und 15 Minuten gebraucht hätten. Darauf sinken Stephan und Hartmut mit den Stühlen fast gleichzeitig in die weiche Wiese ein. Der Bitte der Wanderwartin zunächst etwas zügiger zu paddeln, folgen wir nur kurze Zeit. Nach dem 2. Schrägwehr ( Flusskilometer 20,5 ), das wir in der Mitte fahren können, häufen sich die Schwalle. Hier müssen wir einfach verharren, um Wasser und Landschaft zu genießen.

Die Schrägwehre bei Flusskilometer 19,5 und 15,9 fährt Lisa mutig vor. Bis Bad Neuenahr folgen alle 100 m kleine Schwalle mit kurzen Rückläufen, ideal zum Surfen. Stephan, Tobi und Peter vergessen die Zeit vor Begeisterung. Die Sonne ist schon lange nicht mehr zu sehen. Die Luft- und Wassertemperatur und die Temperatur meiner Füße erinnern mich schmerzlich daran, dass wir noch Winter haben.

In der Stufe unterhalb des Casinoschwalles schaffe ich es nicht mehr, mich aus der Walze zu befreien. Ein Vollbad ist angesagt und senkt meine Körpertemperatur deutlich.

Es dämmert schon, als wir als letzte an der Aussatzstelle in Bad-Neuenahr ankommen. Im Dunkeln werden die Boote verladen.

Meine Füße tauen erst auf, als wir Bonn erreichen.

Während ich diesen Bericht schreibe, ist mir wohlig warm und die Strapazen sind vergessen. Die Ruhr bei Hochwasser ist schön. Die Ahr ist ein wunderbarer Fluss mit einer tollen Landschaft und superklasse Schwallen ( bei entsprechendem Wasserstand ). Es waren klasse Touren.


Danke an alle die mitgemacht haben.