Ruhr 05.05.2002

Hartmut Nolting

Gepäcktour auf der Ruhr Mai 2002

Kleine Gepäcktour auf der Ruhr. vom 30.Mai bis 2.Juni 2002,
Teilnehmer: Heribert Bunse, Hartmut Nolting
Boot: geschlossener PE-Gatz-Kanadier Yoho, Bootsname: Tonga

Endlich ist es soweit! Seit einigen Jahren träume ich davon, auch einmal eine Tour mit Gepäck mit unserem Kanadier zu unternehmen. Bis jetzt scheiterte es allerdings immer wieder. Zu viele Leute, zu viele Wünsche und zuviele Bedenken. Erst im letzten Jahr scheiterte ein Versuch. Aus anfänglichen guten Ideen wurde eine "Pseudo-Gepäcktour" über zwei Tage und quasi ohne Gepäck. Da kam das kurzfristige Angebot von Heribert, mit mir eine solche Tour unternehmen zu wollen, ganz gelegen. Keine langen Vorbereitungen. Eine Tour direkt vor unserer Haustür. Wir wußten, daß wir uns mit dem Gepäck auf´s Notwendigste beschrenken mußten, dennoch wollten wir auch einem eventuellen längeren Regenguß standhalten können. Verpflegung und Kocher, natürlich Zelt und Schlafsack mußten mit. Obwohl wir uns bei der Gepäckliste nicht ganz sicher waren, brachen wir am 30.Mai in Bochum mit dem Kanadier auf dem Autodach in Richtung Kanu-Club Unna in Fröndenberg auf. Das Boot war schnell zu Wasser gelassen und wir fanden sogar noch soeben Platz zwischen dem vielen Gepäck. Noch ein Kuß für die Ehefrau und ab ging es auf der Ruhr in Richtung Villigst. Wir hatten fast ideales Wetter, trocken, leicht bedeckt, nicht zu warm, aber leider Gegenwind. Schon nach ca. 3 Kilometern auf dem Wasser hatten wir das erste Wehr mit Umtragestelle erreicht. Links umtragen hieß es im Kanuführer kommentarlos. Am Steg der Aussatzstelle saßen zwei Angler, die uns freundlicherweise halfen, das Boot aus dem hier sehr seichten Wasser zu ziehen und die ersten Meter zu transportieren. Na klar ! - wir mußten mit unserem beladenen Kan schließlich eine abschüssige Wiese herunter und unten stand ihr Zelt. Der Bootswagen war auf dieser Holperstrecke nicht unbedingt eine Hilfe. Er verrutschte trotz Gurten ständig. Als wir nach ca. 35 Minuten die Einsatzstelle erreicht hatten bekamen wir zum ersten Mal Zweifel, ob wir unser heutiges Etappenziel, die Zeltwiese des Kanu-Club Wetter,überhaupt (rechtzeitig) erreichen werden. Es ging weiter auf der Ruhr durch idyllische Naturstücke. Erst kurz bevor sich das Wehr bei Villigst näherte wurde diese Idylle durch den Lärm einer Schnellstraße getrübt. "Links umtragen" hieß es erneut im Kanuführer. Der Weg war wieder ca. 200m lang und führte durch ein Waldstück. Glücklicherweise ging es erst an der Wiedereinsatzstelle bergab. Für uns stand fest: Diesmal wird das Gepäck ausgeladen und separat getragen. So geschah es . Die ganze Aktion dauerte zwar fast genauso lange wie beim ersten Mal, doch wurden unsere Arme nicht ganz so dick dabei. Wir nahmen uns Zeit für eine Mittagspause.

Nach der Pause folgten zunächst ein paar "Schwällchen", bevor dann das Wasser gänzlich zum Stehen kam. Nach dem Passieren der Autobahnbrücke entsprach auch die Landschaft rechts und links der Ruhr nicht mehr meinen Vorstellungen. Kein schattenspendendes Bäumchen mehr, dafür aber Anlandungsverbot (Naturschutzgebiet). Erst kurz vor der nächsten Umtragestelle, die wir aufgrund der jetzt bereits vorhandenen Routine und des Bootswagens ohne Probleme meisterten, sahen wir wieder ein paar Bäume am Flußufer. Ein Großkanadier mit einigen lustigen Damen des KK Hagen, die uns wohl aufgrund ihrer feuchtfröhlichen Laune mehrfach überholten und wieder zurückfallen ließen, begleiteten uns mehr oder weniger bis zum Ende des Hengsteysees. Auf dem Wasser wurde es jetzt ohnehin um einiges belebter. Auf dem Wasser wimmelte es von Mietbootfahrern.

Zum Schluß unserer Tagesetappe, am Ende des Harkortsees, wurden wir dann von den Campern des KC Wetter auf ihrem Campingplatz herzlich empfangen. Das Umtragen an den beiden Wehren hatte keine großen Schwierigkeiten mehr bereitet. Nachdem wir unsere mitgebrachten Würstchen auf dem Grillfeuer der Wetteraner gegrillt und anschließend verspeißt hatten, kippte ich nach hinten ab und schlief wie ein Toter.

2. Tag: 31.Mai 2002

So tief und fest habe ich lange nicht mehr geschlafen, und das trotz der Unannehmlichkeiten, die mit einer Luftmatratzen-u. Zeltübernachtung verbunden sind. Nach dem ausgiebigen Frühstück war das Zelt schnell abgebaut und alles Gepäck wieder im Boot verstaut. Gegen 10.45 Uhr haben wir uns bei unseren Gastgebern verabschiedet und die zweite Etappe unserer Tour begann. Natürlich ging es erst einmal wieder mit einer Umtrageaktion los, doch so leicht konnte uns nichts mehr schocken. Das Wehr des Harkortsees war schnell umtragen. Auf diesem Abschnitt der Ruhr floß diese sogar gelegentlich einmal ein bißchen. Kurz hinter der "DEMAG" ein kleiner Schwall mit seichtem Wasser, aber immer noch genug um diese Stelle ohne Aufsetzen zu passieren. Einige Angler gingen rechts und links des Flußes ihrem Hobby nach. Diese Etappe war dadurch geprägt, daß wir keine weiteren Paddler sahen und die Natur genießen konnten. An der Umtragestelle am Kraftwerk in Bommern gab es keine Besonderheiten. Schnell erreichten wir dann auch unsere Pausenstelle, den KSC Witten. Gut gestärkt ging es weiter, die Bootsrutsche in Bommern herunter, natürlich mit einer kleinen Dusche für den Vordermann, das Gepäck unter Deck blieb Dank der vorsorglich aufgezogenen Spritzdecken trocken. Über das Wehr selber lief an diesem Tag so gut wie kein Wasser. Ein wenig schwierig wurde die Überquerung des Kemnader-Sees dann wegen des Gegenwindes noch. Die nächste Rutsche noch schnell herunter gefahren und wenig später hatten wir die Umtragestelle am Wehr beim RV Blankenstein erreicht. Hier trafen wir auf eine größere Gruppe von Paddlern, die anscheinend den verschiedensten Vereinen angehörten oder auch unorganiseirt waren. Unter ihnen trafen wir auch zwei Paddler mit einem Zweier an, die uns kurz vorher nicht besonders angenehm aufgefallen waren. Sie hatten uns mit einem stinkenden Benzinaußenborder in einem "Affenzahn" überholt, und das obwohl auf diesem Abschnitt der Ruhr das Betreiben von Außenbordern eigentlich nur der DLRG vorbehalten ist. Recht früh, gegen 17.00 Uhr erreichten wir unseren "Heimathafen", den Bochumer-Kanu-Club. Unsere Frauen und Kinder erwarteten uns. Es wurde gegrillt und in dieser Nacht hatten wir die Annehmlichkeiten eines Wohnwagens zur Verfügung.

3.Tag, 1.Juni 2002:

Heute kamen wir erst etwas später los. Erst gegen 11.30 Uhr machten wir uns auf den Weg. Einiges Gepäck haben wir zurückgelassen, da wir uns einigermaßen auf den Wetterbericht verlassen wollten. Dieser sagte für die nächsten beiden Tage Temperaturen bis zu 30 Grad und Sonnenschein voraus. Die Sonne bekamen wir auch bald zu spüren. Der Schweiß lief uns Dank des, nach dem Isenburgschwall nur noch stehenden Wassers am ..... herunter. Wir trafen reihenweise jugendliche Mietbootfahrer mit Kanadieern. Die Mietbootwelle der kommerziellen Anbieter hat nun wohl entgültig auch unsere Ruhr erreicht. Zu unerem Erstaunen kamen die meißten der "Sonnenscheinkanuten" recht gut mit den Booten zurecht. Andere aber vermaßen den Fluß dann doch recht genau. Hinter der Bootsrutsche am Dahlhauser Wehr legten wir "Fieslinge" erst einmal eine Pause ein, um vielleicht eine Kenterung an der Rutsche mitzubekommen. Wir wurden nicht enttäuscht. Es traf eine Frau mit zwei Mädchen an Bord, die es allesamt nicht fassen konnten, warum sie nun im Wasser gelandet waren. Ihr Kanadier wurde dann aber von den, an der Rutsche postierten Betreuern recht schnell geborgen und entleert. Auch ihre Fahrt konnte nun weiter gehen.

Unsere mühsame Fahrt, die heute über eine Strecke von 31 Kilometern gehen sollte, führte uns noch über zwei weitere Bootsrutschen ( an einer mußte übrigens noch ein Mietkanadieer dran glauben), bevor wir dann den für die Motorschifffahrt freigegebenen Teil der Ruhr erreichten. Der folgende Abschnitt über den Baldeneysee, vorbei am Vogelschutzgebiet, zog sich wie Gummi. Hunderte, wenn nicht gar Tausende Spaziergänger säumten die Wege neben dem See. "Guck mal, da in dem Boot, - Indianer", hörten wir einen Vater zu seiner kleinen Tochter sagen, der wohl auf das Aussehen unseres Bootes anspielen wollte. Dank des gründlichen Einkremens mit Sonnenschutzmitteln sahen wir selber zum Glück beim Erreichen des Etappenziels, dem Bootshaus des Rasen und Wassersportvereins Essen, nicht wie Rothäute aus. Für unsere Mühen des heutigen Tages wurden wir zu unsererm Erstaunen noch mit Freibier vom Faß belohnt. - Ich muß an dieser Stelle übrigens anmerken, das die Aufnahme in allen Bootshäusern sehr nett und herzlich war (und das schreibe ich nicht wegen des Freibiers).

4.und letzter Tag, 2.Juni 2002:

Wir haben es heute wieder geschafft "schon" um 10.45 Uhr loszukommen. Der heutige, kurze Etappenabschnitt (15 Kilometer), sollte uns bis zum Mühlheimer KSV führen. Ein kurzes Stück noch über den Baldeneysee, umtragen durch den Schleusenpfeiler am Wehr und sodann waren wir überrascht, wie schön die nun folgende Landschaft sich durchpaddeln ließ. Das Wasser stand zwar wieder unbewegt, doch das waren wir mitlerweile gewöhnt. Die Motorboote störten nur wenig. Immer wieder trafen wir auch ältere Paddler, die nach althergebrachter Art in ihren Gfk-Wanderbooten die Idylle genossen. Je weiter uns unsere Fahrt dem Ziel entgegen führte, desdo weniger ansprechend wurde die Landschaft. Die Zeltplätze wurden immer mehr, der Baumbestand immer weniger. Quer über die Ruhr zog sich in einer nicht einzuschätzenden Höhe die Autobahnbrücke. Gelegentlich wurden wir von Fahrgastschiffen überholt, deren Wellen uns eine willkommene Abwechslung zur Eintönigkeit boten. Nach dem Erreichen unseres Ziels stand jedoch eines für uns fest. Es war eine schöne, gelungene Fahrt, die wir gerne noch einmal, vielleicht mit anderen (Vereins-)kameraden und Kameradinnen wiederholen würden. Es kann ja vielleicht auch mal ein etwas schneller fließender Fluß sein.

Hartmut Nolting